Sonntag, 27. November 2011

Das Ende der Zivi Zeit


Meine Zeit als Zivildienstleistender ist seit dieser Woche zu Ende, die Schuldigkeit dem Land gegenüber ist definitiv abgegolten. Von nun an bin ich definitiv ein freier Mensch! Kein Job, keine Wohnung und keine anderen Verpflichtungen.
Komischerweise fühle ich mich nicht anders als vorher und da mir der Einsatz bei Bäne und Christine so gut gefallen hat werde ich die nächsten zwei Wochen wohl einfach noch ein wenig weiterarbeiten. An dieser Stelle ein grosses MERCI für die tolle Zeit!
Wo wir im Projekt im Moment stehen könnt Ihr übrigens auf dem Blog von www.addisguzo.com nachlesen.
Da ich nun schon fast 3 Monate hier bin hat sich ein gewisses Heimatgefühl eingestellt. Man kennt die Leute aus der Nachbarschaft (speziell diejenigen die Bier verkaufen), der Barbier braucht keine Anweisungen mehr um mir die Haare zu schneiden, beim einkaufen muss man nicht mehr feilschen weil man das gleiche bezahlt wie die Einheimischen und die Taxifahrer haben aufgehört das 3 Fache eines realistischen Preises zu verlangen.
Dies bezieht sich aber alles auf die nahe Nachbarschaft. Sobald ich in einer anderen Stadtgegend, besonders in touristischen, unterwegs bin ist wieder hartes feilschen, gespieltes entsetzten (bei beiden Parteien) und schlussendlich die Übereinkunft über einen realistischen Preis von Nöten. Auch das „Hey you, what’s up“, „How are you“ und „Where are you from“ begleitet einem fast überall. Manchmal ist das witzig, manchmal kann das aber auch etwas nervend sein.
Anfangs dachte ich ja, dass ich mit etwas Amharisch (Landessprache) solchen Situationen besser aus dem Weg gehen kann.  Da aber nur sehr wenige Weisse diese Sprache (auch nur ansatzweise) sprechen werde ich dadurch nur noch mehr in Gespräche verwickelt.
Zu diesem Thema fallen mir auch noch gleich zwei Ergänzungen zu vorherigen Einträgen ein:
-          -  Erinnert Ihr euch an die Kaffezeremonie? Wenn man das richtig machen will trinkt man 3 Aufgüsse und verabschiedet sich dann höflich. Beim geschilderten Besuch habe ich das ganze beim 2ten Aufguss beendet da ich dachte, dass das sonst immer weiter geht und somit die Gastgeber richtig vor den Kopf gestossen.
-          -   Erinnert Ihr euch an den Typ vom „Strassenbauamt“? Hier wird keine Strasse gebaut, aber es hat sich rumgesprochen, dass hier weisse Wohnen und anscheinend sollte das eine Art Erpressung werden… Da wir nur zur Miete sind hat sich dass via Hausbesitzerin geklärt.
Ach und dann will ich euch meine Sportlichen Aktivitäten natürlich nicht vorenthalten. Letztes Wochenende war ich Rugby spielen. Genauer gesagt Tag-Rugby, also Rugby ohne Kontakt. Das war ziemlich witzig, totale Rugby Freaks die hier ein Turnier für jedermann auf die Beine gestellt haben. Im Prinzip war das ähnlich wie ein „Grümpeltournier“ einfach ohne Fouls. die Bilder dazu werden noch kommen.
Dieses Wochenende war dann der Great Ethiopian Run, eigentlich mehr ein Volksfest als ein Lauf. Wir haben uns eine Startposition in der Zehnten Reihe erkämpft. Als der Start dann pünktlich um 9 losging waren natürlich längst nicht alle im Startbereich. Etliche Tausend waren noch irgendwo auf der Rennstrecke Richtung Start unterwegs, haben sich dann einfach umgedreht und sind mit den regulär startenden mit gerannt. Etwa gleich viele haben irgendwelche Querstrassen als Abkürzungen benutzt und so haben wir zwar ständig Leute Überholt aber bis zum Ziel waren trotzdem immer extrem viele Leute vor uns, total relaxt und gemütlich am spazieren…  Immerhin, die Stimmung war super und wir waren dabei!
In diesem Sinne sportliche Grüsse und auf Bald!

Montag, 3. Oktober 2011

You Money! und Meskel

Um es gleich vorwegzunehmen: Fotos gibt es momentan keine, die Internetverbindung bei uns zu Hause ist zwar modern via UMTS Stick aber leider entspricht die Geschwindigkeit etwa der eines 56KB Modems...
Vorletztes Wochenende sind wir nach Debre Zeyt gefahren. Das liegt ungefähr 40 KM ausserhalb von  Addis. Also ungefähr so wie wenn wir von Bern nach Langenthal fahren würden. Den Strassenverkehr habe ich ja bereits letztens ausführlich beschrieben. Trotzdem möchte ich hier nochmals zwei Begebenheiten die für uns doch eher ungewöhnlich sind ausführen: Wenn man hinter einem Lastwagen her fährt und diesen nicht überholt, weil man in einer Kurve einfach nicht sieht ob etwas entgegenkommt, dann heisst das noch lange nicht, dass man nicht selbst von einem Lastwagen überholt werden kann. Und wenn auf dem Mittelstreifen plötzlich Pferde stehen ist das auch nicht besonderes denn es ist ja jedem klar: Das effizienteste Mittel um Fliegen zu verscheuchen ist starker Wind und von diesem gibt es auf einem Überlandstrassenmittelstreifen ja von beiden Seiten reichlich.
Jedenfalls haben wir die abenteuerliche Fahrt problemlos überstanden und sind dann in der Viewpointlodge in eine andere Welt eingetaucht. Kein Lärm, kein Smog und eine herrliche Aussicht auf einen kleinen Kratersee (Lake Babugaja) in dem man sogar schwimmen kann und eine Bedienung die einem nach mehrmaligem zurufen jeden Wunsch von den Lippen liest und dann wieder vergisst.  Das schwimmen wird einem von der Lokalbevölkerung leider nicht empfohlen. Nicht wegen der Bilharziose sondern weil in der Nacht der Teufel aus dem See steigt.
Wir hatten Glück, der Teufel hat uns nicht geholt und so haben wir uns am nächsten Tag auf eine kurze Wanderung zu einem nahe gelegenen Kratersee gemacht. Bisher wahr ich es ja gewohnt das man mir quer über die Strasse oder beim vorbeigehen „Farantsch“ oder „Farantschi“ (so etwas wie Ausländer) zuruft. Das kann einem auch eine alte Oma zurufen und es ist nicht wertend gemeint. Vielleicht denken die Leute auch, dass wir ohne die Zurufe vergessen würden, dass wir Ausländer sind. Jedenfalls habe ich nun noch weitere „gängige“ Anreden für Weisse „gelernt“: Beim gemütlichen Wandern zwischen Eseln und Frauen, die jeweils ungefähr die gleichen Lasten tragen, kahmen aus allen Richtungen Kinder angerannt. Anstelle des „Farantschi“ oder scheuen berühren der weissen Haut hiess es aber einfach: „You money money“ und wer nicht so gut englisch konnte hat sich einfach auf „money money money“ beschränkt. Die Wanderung um den Kratersee war aber trotzdem sehr schön und irgendwann hat man sich auch an das einem ständig begleitende Hintergrundgeräusch von „money money money money money money“ gewöhnt.
Nach dem kurzen Abstecher aufs „Land“ gings in Addis gleich mit dem Meskelfest weiter. Dies ist eine Feier zur Wiederauffindung des halben Kreuzes (Wikipedia weiss mehr).  Die ganze Stadt versammelt sich dann auf dem Meskelsquare und lauscht andächtig stundenlanger Predigten bis dann endlich das Meskelfeuer angezündet wird. Zu diesem Zeitpunkt war ich aber bereits irgendwo in der Stadt und habe an einem kleinen, weniger andächtigen, dafür umso ausgelasseneren Meskelfeuer, fröhlich mit geklatscht, gesungen und getanzt. OK, gesungen und getanzt habe ich nicht aber ich habe beim Klatschen immerhin im Tackt gewippt…
Später war ich noch in einer Kneipe in der es Äthiopische Musik und Tanz gab. Der traditionelle Tanz ist etwas gewohnheitsbedürftig. Die Männer wie auch die Frauen lassen ihre Schultern ruckartig nach vorne und hinten schnellen. Alternativ dazu können die Männer auch ihren Kopf nach vorne und hinten schnellen lassen, sozusagen ein überdeutliches und überschnelles nicken (Wahrscheinlich die urform des Hedbanging). Beim Höhepunkt des Liedes kann es vorkommen, dass der Tänzer beide Bewegungen vereint und dann noch animalische Grunzlaute von sich gibt. Auf jeden Fall eine spannende Angelegenheit.
Richtig lustig wurde dann aber der Teil mit dem Poetry Slam. Begleitet von einem Zupfinstrument gehen die Tänzer vor dem Puklikum auf und ab und stellen wahllos Leute aus dem Publikum bloss. Die Pointe wurde jeweils, ähnlich einem Kalauer, mit einer Melodie unterstrichen. Der Ferentschi (Wir erinnern uns: Ausländer) wurde natürlich auch nicht ausgelassen. Da ich kein Wort verstanden habe konnte ich nur dümmlich grinsen und weiter an meinem „Tatsch“ (Honigwein) nuckeln. Nuckeln deshalb weil Tatsch in bauchigen Fläschchen getrunken wird an denen man effektiv etwas nuckeln muss.
Den zweiten Tag des Meskel Festes habe ich dann, vielleicht auch etwas wegen dem Tatsch, gemütlich im Garten unseres Hauses verbracht.
Die Reisenden unter euch kennen das ja, zwischendurch muss man Urlaub vom Reisen machen. Das mag jetzt paradox klingen und eigentlich reise ich ja auch nicht aber vieles fühlt sich hier noch nach  Reisen an und da tut einem ein Tag ohne irgendwelche Beschäftigung wirklich gut.

Montag, 19. September 2011

Verkehr

Ich bin zwar erst die zweite Woche hier aber es fühlt sich eher wie ein Monat an! Das könnte man jetzt natürlich falsch verstehen, es sollte durchaus positiv sein!
Das Autofahren hier gefährlich ist wird einem sofort klar. Verkehrsregeln gibt es so gut wie keine. An der Kreuzung fährt einfach der, der am mutigsten ist. Fast alle Strassen sind mehrspurig. Je weiter Links umso schneller und die Spur ganz rechts ist eigentlich eher ein Parkplatz. Den kann man aber auch auf zwei Spuren ausdehnen und wenn man dann rausfahren will blockiert man halt die schnelle Spur. Fussgänger überqueren die Strasse wo sie wollen und wenn die beiden Fahrtrichtungen von einer Absperrung getrennt sind dann kletter man halt drüber und hüpft dann gleich auf die schnelle bahn… Dass dies nicht immer gut geht haben wir leider bereits aus nächster Nähe erfahren. Ein Auto wollte rechts einen Lastwagen überholen. Als die beiden Fahrzeuge auf der gleichen Höhe wie wir (Wir standen auf dem Gehsteig) waren stand da aber auch noch  ein geparkter Lieferwagen(Da es die ganz rechte Spur war). Der überholende PW ist dann mehr oder weniger ungebremst (Weil die Strasse voller Matsch war und bremsen nichts brachte) in den stehenden Lieferwagen gedonnert weil links ja der Lastwagen fuhr und rechts standen wir auf dem Gehsteig. Zum Glück haben sich die Insassen nicht schwer verletzt und von überall her kamen Leute angerannt und haben die drei Pechvögel aus dem Auto gezogen und ihnen geholfen.
An dieser Stelle kann man vielleicht noch erwähnen, dass das gängige Verkehrsmittel hier der Toyota Hiace ist in welchen ungefähr 14-17 Leute rein gepfercht werden. Der „Schaffner“ hängt dann zur offenen Seitentür raus und ruft den wartenden Leuten die Destination zu. Haltestellen sind überall da wo es Leute hat und die sagen einem auch gerne welcher Bus für einen der richtige ist. Ist der Bus voll fährt er los (Sonst wird halt gewartet) und die Tür wird nach ein paar Meter geschlossen und man tuckert zum Glück meist ziemlich langsam durch die Gegend. Alternativ dazu kann man natürlich ein Taxi nehmen. Man ist viel schneller am Ziel und hat viel mehr Platz. Da die Taxifahrer aber tendenziell schneller unterwegs sind und auch weniger rücksichtsvoll fahre quetsche ich mich seit dem oben beschriebenen Vorfall eigentlich recht gerne in einen Minibus und teile mit mir zwei anderen Passagieren einen Doppelsitz ;-)
Das war jetzt ein ziemlich langer Exkurs in den Strassenverkehr und um das Ganze abzurunden und den Eintrag nicht allzu sehr in die Länge zu ziehen noch folgende Anekdote:
Am Samstag klingelt es  an unserem Eingangstor und ein Mann mit einem Strassenplan steht vor der Tür.
Das ist aus vielerlei Gründen aussergewöhnlich und bedarf einer kurzen Erklärung:
1)      Ausser dem Milchmann klingelt eigentlich nie jemand bei uns.
2)      Es gibt keinen offiziellen Stadtplan oder Strassenplan.
3)      Die Deutsche Entwicklungshilfe hat sich von der Regierung die offiziellen Strassennahmen nennen lassen und damit einen Plan erstellt. (Gerüchteweise soll bald eine Neuauflage erscheinen, da der erste Wurf sofort vergriffen war.)  Das Problem ist aber, dass die Leute nicht die offiziellen Namen verwenden sondern die Plätze und Strassen so nennen wie sie es immer getan haben.  
4)      Da es bisher nie einen Plan gab können viele Leute mit einem solchen auch nichts anfangen. Das die Strassennamen (insbesondere der grossen Strassen welche als Orientierungshilfe dienen könnten) noch andere Namen haben macht es eigentlich unmöglich, dass einem jemand anhand dieses Stadtplans weiterhelfen kann.
Da steht also dieser Mann mit einem Plan in der Hand (scheint ihn sogar lesen zu können) und sagt: „Die Besitzer sollten eigentlich bereits informiert sein aber wir kommen jetzt noch persönlich vorbei um Ihnen mitzuteilen, dass genau quer durch Ihr Anwesen (und somit auch durch unser Haus und viele weitere Anwesen im Quartier) eine Strasse gebaut wird.“
Ein harter Brocken! Mitten durch ein bebautes Wohnquartier!
Nach einigem hin und her hat sich zwar herausgestellt, dass die Bauarbeiten frühestens in einem Jahr beginnen und wir somit zumindest persönlich nicht mehr betroffen sind aber so eine Nachricht gibt einem schon zu denken…
So das war‘s, nächstes Mal gibt’s dann wieder leichtere Kost J  

Freitag, 9. September 2011

Erste Eindrücke

So, am Montag, dem 5. September bin ich nun also los, dem Unbekannten entgegen. Der Flug war äusserst angenehm und ich wurde am Flughafen von Bäne und Christine erwartet.
Das war recht witzig, denn obwohl da ziemlich viele Leute waren habe ich die Beiden gleich entdeckt - sie waren die einzigen Weissen.
Auf der Fahrt nach Hause mussten wir dann kurz verlangsamen weil mitten auf der Strasse ein lebloser Körper lag. Anscheinend war er nicht tot denn er habe noch geblinzelt - nun ja… Dafür ist mein neues Zuhause echt schön.
An meinem ersten Tag haben wir Christine in der Schule besucht. Anschliessend sollte ich alleine nach Hause und da habe ich kurzerhand entschlossen, dass ich nicht den gleichen Weg wähle wie den, den wir gekommen sind (Man könnte es auch verlaufen nennen…). Das die Strassen hier nicht rechtwinklig sind und dass man sich überhaupt nicht an der Sonne orientieren kann (Regenzeit) machte es nicht einfacher. Nun gut, die Leute in Blechhütten (zwischen denen ich herumgeirrt bin) scheinen mich zu mögen und so wurde ich während meinem kleinen Ausflug in allerlei Gespräche verstrickt die ich mit fröhlichem nicken und winken über kurz oder lang abgewürgt habe bis ich auf Mandschi traf. Er konnte etwas Englisch und wollte mich einfach so um zu plaudern etwas begleiten. Natürlich hat er schnell gemerkt dass ich etwas Orientierungsschwierigkeiten hatte. Dank meinen präzisen Angaben zur Umgebung meines neuen Domiziles  („Close to my place is a Hotel called anything with green…“) hat er die Leitung dann übernommen. Wir kamen aber nicht bis nach Hause da wir unterwegs noch seine zweite Schwester trafen die mich unbedingt zum Kaffee einladen wollte. Nachdem ich schon bei der ersten dankend abgelehnt habe und er mich doch nun quer durch das Quartier geführt hat konnte ich fast nicht mehr nein sagen und so verbrachte ich die nächsten zwei Stunden bei Ihnen und habe eine original Äthiopische Kaffeezeremonie erlebt. Das sah dann etwa so aus:

Ich gebe zu der Einstieg war ziemlich steil aber es ist unglaublich schwer hier nicht in ein Gespräch verwickelt zu werden. So habe ich auch an den folgenden Tagen immer wieder lustige Begegnungen gehabt.
Natürlich kommt auch die Arbeit nicht zu kurz, bereits an meinem dritten Tag habe ich einen Rollstuhl (unter Aufsicht versteht sich) repariert vor lauter Arbeiten habe ich das Fotografieren ganz vergessen…
Das waren mal die ersten Eindrücke und ich bin sicher es bleibt spannend (zumindest für mich J )

Montag, 29. August 2011

T - 7

Balkon und Zimmer sind gestrichen.
Reiseunterlagen liegen auch bereit...
aber da liegt noch vieles mehr und ich frage mich, hat jemand interesse an:
  • Netzwerkkabeln
  • Militär T-Shirts
  • Wasserpfeife
  • Wollpulovern
  • eim G1
  • kaum getragenen Nagelschuhen Gr. 43 von addidas
  • ...
Na ja meldet euch oder schaut vorbei :-)

In diesem Sinne