Montag, 19. September 2011

Verkehr

Ich bin zwar erst die zweite Woche hier aber es fühlt sich eher wie ein Monat an! Das könnte man jetzt natürlich falsch verstehen, es sollte durchaus positiv sein!
Das Autofahren hier gefährlich ist wird einem sofort klar. Verkehrsregeln gibt es so gut wie keine. An der Kreuzung fährt einfach der, der am mutigsten ist. Fast alle Strassen sind mehrspurig. Je weiter Links umso schneller und die Spur ganz rechts ist eigentlich eher ein Parkplatz. Den kann man aber auch auf zwei Spuren ausdehnen und wenn man dann rausfahren will blockiert man halt die schnelle Spur. Fussgänger überqueren die Strasse wo sie wollen und wenn die beiden Fahrtrichtungen von einer Absperrung getrennt sind dann kletter man halt drüber und hüpft dann gleich auf die schnelle bahn… Dass dies nicht immer gut geht haben wir leider bereits aus nächster Nähe erfahren. Ein Auto wollte rechts einen Lastwagen überholen. Als die beiden Fahrzeuge auf der gleichen Höhe wie wir (Wir standen auf dem Gehsteig) waren stand da aber auch noch  ein geparkter Lieferwagen(Da es die ganz rechte Spur war). Der überholende PW ist dann mehr oder weniger ungebremst (Weil die Strasse voller Matsch war und bremsen nichts brachte) in den stehenden Lieferwagen gedonnert weil links ja der Lastwagen fuhr und rechts standen wir auf dem Gehsteig. Zum Glück haben sich die Insassen nicht schwer verletzt und von überall her kamen Leute angerannt und haben die drei Pechvögel aus dem Auto gezogen und ihnen geholfen.
An dieser Stelle kann man vielleicht noch erwähnen, dass das gängige Verkehrsmittel hier der Toyota Hiace ist in welchen ungefähr 14-17 Leute rein gepfercht werden. Der „Schaffner“ hängt dann zur offenen Seitentür raus und ruft den wartenden Leuten die Destination zu. Haltestellen sind überall da wo es Leute hat und die sagen einem auch gerne welcher Bus für einen der richtige ist. Ist der Bus voll fährt er los (Sonst wird halt gewartet) und die Tür wird nach ein paar Meter geschlossen und man tuckert zum Glück meist ziemlich langsam durch die Gegend. Alternativ dazu kann man natürlich ein Taxi nehmen. Man ist viel schneller am Ziel und hat viel mehr Platz. Da die Taxifahrer aber tendenziell schneller unterwegs sind und auch weniger rücksichtsvoll fahre quetsche ich mich seit dem oben beschriebenen Vorfall eigentlich recht gerne in einen Minibus und teile mit mir zwei anderen Passagieren einen Doppelsitz ;-)
Das war jetzt ein ziemlich langer Exkurs in den Strassenverkehr und um das Ganze abzurunden und den Eintrag nicht allzu sehr in die Länge zu ziehen noch folgende Anekdote:
Am Samstag klingelt es  an unserem Eingangstor und ein Mann mit einem Strassenplan steht vor der Tür.
Das ist aus vielerlei Gründen aussergewöhnlich und bedarf einer kurzen Erklärung:
1)      Ausser dem Milchmann klingelt eigentlich nie jemand bei uns.
2)      Es gibt keinen offiziellen Stadtplan oder Strassenplan.
3)      Die Deutsche Entwicklungshilfe hat sich von der Regierung die offiziellen Strassennahmen nennen lassen und damit einen Plan erstellt. (Gerüchteweise soll bald eine Neuauflage erscheinen, da der erste Wurf sofort vergriffen war.)  Das Problem ist aber, dass die Leute nicht die offiziellen Namen verwenden sondern die Plätze und Strassen so nennen wie sie es immer getan haben.  
4)      Da es bisher nie einen Plan gab können viele Leute mit einem solchen auch nichts anfangen. Das die Strassennamen (insbesondere der grossen Strassen welche als Orientierungshilfe dienen könnten) noch andere Namen haben macht es eigentlich unmöglich, dass einem jemand anhand dieses Stadtplans weiterhelfen kann.
Da steht also dieser Mann mit einem Plan in der Hand (scheint ihn sogar lesen zu können) und sagt: „Die Besitzer sollten eigentlich bereits informiert sein aber wir kommen jetzt noch persönlich vorbei um Ihnen mitzuteilen, dass genau quer durch Ihr Anwesen (und somit auch durch unser Haus und viele weitere Anwesen im Quartier) eine Strasse gebaut wird.“
Ein harter Brocken! Mitten durch ein bebautes Wohnquartier!
Nach einigem hin und her hat sich zwar herausgestellt, dass die Bauarbeiten frühestens in einem Jahr beginnen und wir somit zumindest persönlich nicht mehr betroffen sind aber so eine Nachricht gibt einem schon zu denken…
So das war‘s, nächstes Mal gibt’s dann wieder leichtere Kost J  

Freitag, 9. September 2011

Erste Eindrücke

So, am Montag, dem 5. September bin ich nun also los, dem Unbekannten entgegen. Der Flug war äusserst angenehm und ich wurde am Flughafen von Bäne und Christine erwartet.
Das war recht witzig, denn obwohl da ziemlich viele Leute waren habe ich die Beiden gleich entdeckt - sie waren die einzigen Weissen.
Auf der Fahrt nach Hause mussten wir dann kurz verlangsamen weil mitten auf der Strasse ein lebloser Körper lag. Anscheinend war er nicht tot denn er habe noch geblinzelt - nun ja… Dafür ist mein neues Zuhause echt schön.
An meinem ersten Tag haben wir Christine in der Schule besucht. Anschliessend sollte ich alleine nach Hause und da habe ich kurzerhand entschlossen, dass ich nicht den gleichen Weg wähle wie den, den wir gekommen sind (Man könnte es auch verlaufen nennen…). Das die Strassen hier nicht rechtwinklig sind und dass man sich überhaupt nicht an der Sonne orientieren kann (Regenzeit) machte es nicht einfacher. Nun gut, die Leute in Blechhütten (zwischen denen ich herumgeirrt bin) scheinen mich zu mögen und so wurde ich während meinem kleinen Ausflug in allerlei Gespräche verstrickt die ich mit fröhlichem nicken und winken über kurz oder lang abgewürgt habe bis ich auf Mandschi traf. Er konnte etwas Englisch und wollte mich einfach so um zu plaudern etwas begleiten. Natürlich hat er schnell gemerkt dass ich etwas Orientierungsschwierigkeiten hatte. Dank meinen präzisen Angaben zur Umgebung meines neuen Domiziles  („Close to my place is a Hotel called anything with green…“) hat er die Leitung dann übernommen. Wir kamen aber nicht bis nach Hause da wir unterwegs noch seine zweite Schwester trafen die mich unbedingt zum Kaffee einladen wollte. Nachdem ich schon bei der ersten dankend abgelehnt habe und er mich doch nun quer durch das Quartier geführt hat konnte ich fast nicht mehr nein sagen und so verbrachte ich die nächsten zwei Stunden bei Ihnen und habe eine original Äthiopische Kaffeezeremonie erlebt. Das sah dann etwa so aus:

Ich gebe zu der Einstieg war ziemlich steil aber es ist unglaublich schwer hier nicht in ein Gespräch verwickelt zu werden. So habe ich auch an den folgenden Tagen immer wieder lustige Begegnungen gehabt.
Natürlich kommt auch die Arbeit nicht zu kurz, bereits an meinem dritten Tag habe ich einen Rollstuhl (unter Aufsicht versteht sich) repariert vor lauter Arbeiten habe ich das Fotografieren ganz vergessen…
Das waren mal die ersten Eindrücke und ich bin sicher es bleibt spannend (zumindest für mich J )